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Wie kann es bei einer Geburtserfahrung zu Belastungen oder gar traumatischen Reaktionen kommen?

Dazu eine kurze Einführung mit einfachen Worten. Entwicklungsgeschichtlich ist unser Gehirn in drei Bereiche geteilt. Das Stammhirn für die Autonomen Funktionen (Atmung, Herzschlag…) hat den ältesten Anteil. Dann entstand das Mittelhirn und zu guter letzt Großhirn. Hier ist es uns möglich das was wir erleben einzuordnen, dem Erlebten einen Platz zu geben. Wir sind dabei von allen Lebewesen der Erde diejenigen, die ihr Bewusstsein am meisten entwickelt haben.
Wenn wir irgendeine Form von Stress, Belastung erleben kann das mit einer Sorge oder Angst was die Zukunft betrifft zu tun haben aber wenn es um den Moment des Erlebens (Hier und Jetzt) oder der Vergangenheit geht, dann sind dies Ereignisse die für uns nicht „Klar“ eingeordnet werden konnten. Möglicherweise weil zu viel zu schnell geschehen ist, oder weil Dinge geschehen sind die unseren bisherigen Erfahrungen, Werten und Wünschen widersprechen. Es entstehen häufig Fragen: Wieso? Warum? Es dreht sich innerlich…Wie war das genau? Man versucht sich zu erinnern und zu verstehen…

Wir möchten das was wir Erleben „verstehen“, einordnen und ablegen damit es uns nicht mehr emotional belastet.

Die Geburtssituation ist häufig „neu“ und nicht so wie sich Frau (und Mann) das so vorgestellt hatte. Wir benötigen dadurch mehr unserer Aufmerksamkeit um alles was um uns und in uns geschieht sofort einordnen zu können. Es ist völlig normal, dass so viele Eindrücke auf die Mutter herein prasseln, dass es rein biologisch gar nicht möglich wäre, alles sofort innerlich zu verarbeiten (wie die Einkaufsliste an die ich später auch nicht mehr denken muss…). Wir kennen das auch von anderen Situationen. Ein schwieriges Gespräch mit dem Chef… Es geht uns danach noch im Kopf herum: Was hat wer und wann genau gesagt?…Es ist deshalb also völlig normal, wenn sich das Erlebte nach dem Ereignis noch im Kopf dreht…

Die frischgebackene Mutter steht hier jedoch in de Zwickmühle. Durch den Familienzuwachs ist sie gefordert ihre Aufmerksamkeit auf das Kind zu richten. Wie soll das gelingen? Entweder wird versucht das Erlebte wegzudrücken, was Kraft und Energie benötigt, oftmals wird auch wenig Verständnis von der Umgebung entgegengebracht und Aussagen wie: „Sei froh dass ihr beide gesund seid“ oder „Wenn das Kind älter wird, wird es besser werden..“, oder „Du musst dich halt erst in deiner Mutter Rolle einfinden“ „Du schaffst das schon“…sind da wenig hilfreich. Dies kann auch in einen Mütter Burn-Out führen, bzw sich schon viel früher in Belastungssymptomen äussern.

Einem Trauma zugeordnet werden können übrigens Situationen in denen die Unversehrtheit des eigenen selbst oder einer anderen Person (des Babys) bedroht waren. Es gibt auch Mütter, die sich erst während der Aufarbeitung bewusst werden, dass Sie Angst um sich oder ihr Baby hatten. So betrachtet, kann die Geburt als potentiell traumatisches Erlebnis im diagnostischen Sinne zählen.


Welche Situationen können in einem Nachsorgegespräch behandelt werden?

Erstmal geht es um den Zeitraum der am belastetsten erscheint. Die Schwangerschaft, das Geburtserleben oder/und das Wochenbett..? Es kann sein, dass wenn es um mehret Zeiträume geht, wir diese in gesonderten Gesprächsterminen betrachten müssen.

Belastungssymptome können auf jede Geburtssituation auftreten. Sie können erfolgen bei Fehlgeburten, Abgängen, Frühgeburten, Abtreibungen aber auch ganz normale Entbindungen, sowie Kaiserschnittgeburten und andere operative Entbindungsverfahren. Auch andere gynäkologische Eingriffe können schwer belastend sein.


Welche Symptome, Wochenbetterkrankungen bzw. Folgestörungen gibt es?

Babyblues, Wochenbettdepression sind wohl die bekanntesten. Es kann aber auch eine Posttraumatische Belastungsstörung nach einem Geburtserlebnis entstehen – auch partielle Traumasymptome sind Behandlungsbedürftig. Wochenbettpsychosen können durch ein stationäres Setting weitaus mehr profitieren.

Die Symptome nach einer belastenden Geburtserfahrung variieren. Typisch ist eine Ablehnung zum Kind, wiederkehrende innere Bilder, Gedanken oder Träume von der Geburt. Depressive Symptome werden häufig als Wochenbettdepression diagnostiziert. Es gilt deshalb immer zu überprüfen, ob möglicherweise depressive Reaktionen auf eine besonders belastende Geburtserfahrung. Dann darf man nämlich nicht nur die Wochenbettdepression behandeln, sondern muss die Geburt selbst aus traumatherapeutischer Sicht betrachten.

Ebenso ist dies mit Folgeerkrankungen. Depressionen, Angsstörungen, psychosomatische Beschwerden, Essstörungen, Suchtmittelstörungen… sie können alle nur wirklich heilen, wenn auch die traumatische Ursprungssituation erkannt und verarbeitet wird. Auch ist es häufig das Frauen eine erneute Schwangerschaft scheuen, bzw. eine erneute Geburtssituation mit Ängsten verbunden ist.


Wie kann ich mich auf eine erneute Geburt vorbereiten, wenn ich große Angst vor der Entbindung habe?

Auch hier gibt es die Möglichkeit eines Vorsorgegespräches. Gerne können wir auch dazu einen Einzeltermin Ambulant, per Skype oder Telefon vereinbaren.